Block P · Corporate Finance & Primärmarkt
‹ Finanzmarkt-Handbuch: Übersicht
Unabhängige Arbeitsunterlage. Genannte Produkt- und Funktionsnamen sind Marken ihrer jeweiligen Inhaber. Keine Anlageberatung.
Der Primärmarkt ist die Schnittstelle zwischen Unternehmen und Kapital; wer die Emissionsmechanik kennt, versteht Preisanomalien und Interessenlagen.
188 · IPO-Prozess & Bookbuilding
Definition: Börsengang: Auswahl der Konsortialbanken, Prospekt, Roadshow, Preisspanne, Orderbuch (Bookbuilding), Zuteilung, Greenshoe (Mehrzuteilungsoption zur Stabilisierung).
Verwendung: Zeichnungsentscheidungen und Kursverhalten nach Erstnotiz einordnen (Lock-ups!).
Interpretation: Underpricing ist gewollt (Zeichnungsanreiz); langfristig underperformen viele IPOs dennoch.
Typischer Fehler: Lock-up-Verfallstermine nicht im Kalender haben.
Siehe auch: 45 · IPOs/Neuemissionen · 190 · Anleiheemission (Syndizierung, Pri
189 · Kapitalerhöhungen & Bezugsrechte
Definition: Ausgabe neuer Aktien; mit Bezugsrecht (Verwässerungsschutz der Altaktionäre, Bezugsverhältnis + Bezugspreis) oder unter Ausschluss (bis 10-20 % üblich).
Verwendung: Bezugsrechte aktiv managen: ausüben, verkaufen; nie verfallen lassen.
Interpretation: TERP (theoretischer Kurs ex Bezugsrecht) ist die Rechenbasis; der Kursabschlag ist Mechanik, kein Verlust.
Typischer Fehler: Bezugsrechte unbeachtet verfallen lassen; realer Vermögensverlust.
190 · Anleiheemission (Syndizierung, Pricing, Neuemissionsprämie)
Definition: Neuemission über Bankenkonsortium: Mandat, Investor Calls, Orderbuch, Spread-Guidance bis zum finalen Spread; Neuemissionsprämie (NIP) = Aufschlag zur Sekundärkurve.
Verwendung: NIP als Renditequelle für Bestandsanleger; Orderbuchdynamik (Oversubscription) als Nachfragesignal.
Interpretation: Guidance wird bei starker Nachfrage eingeengt; finale NIP oft kleiner als initiale.
Typischer Fehler: Zeichnen ohne Vergleich zur eigenen Sekundärkurve des Emittenten (RELS!).
Siehe auch: 15 · Unternehmensanleihen Investment Gr · 109 · Spread (G-Spread, Z-Spread, OAS)
191 · M&A-Grundlagen
Definition: Übernahmen/Fusionen: strategisch vs. Private Equity, Bar-/Aktienangebot, Prämie, Pflichtangebot ab 30 % (DE), Squeeze-out.
Verwendung: Einordnung von Übernahmefantasie und Angebotssituationen im Depot (annehmen? halten?).
Interpretation: Arbitrage-Spread zwischen Kurs und Angebotspreis spiegelt Vollzugsrisiko (Kartell, Finanzierung).
Typischer Fehler: Angebote ohne Blick auf Mindestannahmeschwellen und Nachbesserungsrechte beurteilen.
192 · Unternehmensbewertung (DCF, Multiples)
Definition: DCF = Barwert künftiger Free Cashflows (WACC als Diskontsatz, Terminal Value); Multiples = Bewertung relativ zu Peers (EV/EBITDA, KGV).
Verwendung: Eigene Preisvorstellung statt Marktgläubigkeit; Plausibilisierung von Kurszielen.
Interpretation: DCF ist annahmengetrieben (Terminal Value dominiert); als Bandbreite rechnen, nie als Punktwert.
Typischer Fehler: Scheingenauigkeit; zwei Nachkommastellen bei 10 % Annahmenunsicherheit.
Siehe auch: 95 · KGV (P/E) · 98 · EV/EBITDA
193 · Leveraged Finance & Private Placements
Definition: Fremdfinanzierung von Buyouts (Leveraged Loans, HY-Bonds, Unitranche) und nicht-öffentliche Platzierungen bei ausgewählten Investoren.
Verwendung: Verständnis der Kapitalstruktur unter dem eigenen Bond; Zugang zu Private-Debt-Papieren.
Interpretation: Covenant-lite-Dokumentation verschiebt Risiken zum Gläubiger; Dokumentation lesen (lassen).
Typischer Fehler: Rendite von Private Placements ohne Illiquiditäts- und Dokumentationsabschlag vergleichen.
194 · Schuldscheindarlehen
Definition: Deutsches Instrument zwischen Kredit und Anleihe: bilateral dokumentiertes Darlehen, nicht börsennotiert, oft von Mittelständlern und Ländern/Kommunen; Buy-and-Hold-Markt.
Verwendung: Renditeaufschlag für Illiquidität; Diversifikation im Zinsbuch institutioneller Anleger.
Interpretation: Kein Marktpreis: Bewertung modellbasiert; Verkauf vor Fälligkeit nur eingeschränkt möglich.
Typischer Fehler: Schuldscheine in Liquiditätsplanung wie Anleihen behandeln.