Block J · Marktstruktur & Handel
‹ Finanzmarkt-Handbuch: Übersicht
Unabhängige Arbeitsunterlage. Genannte Produkt- und Funktionsnamen sind Marken ihrer jeweiligen Inhaber. Keine Anlageberatung.
Marktstruktur ist die Mechanik hinter jedem Preis; wer sie kennt, handelt günstiger und interpretiert Kurse richtig.
131 · Börsen vs. OTC
Definition: Börse = zentraler, regulierter Handelsplatz mit öffentlichem Orderbuch; OTC = bilateraler Handel (Anleihen, FX, Derivate überwiegend).
Verwendung: Bestimmt Transparenz, Preisfindung und Gegenpartei.
Interpretation: Anleihe-"Kurse" auf Screens sind oft indikativ; handelbar ist, was ein Händler quotiert.
Typischer Fehler: Indikative OTC-Preise mit ausführbaren Börsenkursen verwechseln.
Siehe auch: 132 · Market Maker & Liquidität · 133 · Geld-Brief-Spanne · 139 · Best Execution
132 · Market Maker & Liquidität
Definition: Händler, die verbindlich An- und Verkaufskurse stellen und vom Spread leben.
Verwendung: Liquiditätsquelle außerhalb natürlicher Käufer/ Verkäufer.
Interpretation: Market Maker dünnen in Stressphasen aus; Liquidität ist prozyklisch.
Typischer Fehler: Heutige Liquidität für den Krisenfall fortschreiben.
133 · Geld-Brief-Spanne
Definition: Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs; die unmittelbaren Handelskosten.
Verwendung: Kostenkontrolle; Liquiditätsindikator.
Interpretation: Spanne + Markteinfluss (Market Impact) = echte Transaktionskosten; bei Anleihen oft größer als jede Gebühr.
Typischer Fehler: Nur Ordergebühren vergleichen, Spreads ignorieren.
Siehe auch: 132 · Market Maker & Liquidität · 139 · Best Execution
134 · Orderarten (Limit, Market, Stop)
Definition: Market = sofort zum besten Kurs; Limit = Preisgrenze; Stop = Auslöseorder (wird zur Market-Order!).
Verwendung: Ausführungskontrolle je Situation.
Interpretation: Stop-Orders schützen nicht vor Gaps; Ausführung kann weit unter dem Stop liegen.
Typischer Fehler: Illiquide Titel mit Market-Orders handeln.
135 · Settlement (T+1/T+2) & Clearing
Definition: Erfüllung des Geschäfts (USA seit 2024 T+1, EU überwiegend T+2, Umstellung auf T+1 für 2027 geplant); Clearing über zentrale Gegenparteien reduziert Ausfallrisiko.
Verwendung: Liquiditäts- und FX-Planung (Valuta-Differenzen!).
Interpretation: T+1-USA vs. T+2-EU erzeugt Finanzierungs-/FX-Lücken bei Cross-Border-Geschäften.
Typischer Fehler: Valuta bei Umschichtungen zwischen Märkten nicht synchronisieren.
136 · Verwahrung/Depotstruktur
Definition: Kette aus Depotbank, (inter)nationalen Zentralverwahrern; Sondervermögen vs. Schuldverschreibung entscheidet im Insolvenzfall.
Verwendung: Sicherheit und operative Fähigkeit (Corporate Actions, Steuern) der Depotstelle.
Interpretation: Fondsanteile/Wertpapiere sind aussonderungsfähig; Einlagen und Zertifikate nicht.
Typischer Fehler: Verwahrrisiko erst im Krisenfall durchdenken.
137 · Indizes & Benchmarks (Konstruktion, Gewichtung)
Definition: Regelbasierte Marktabbildungen; Gewichtung nach Marktkapitalisierung (Standard), gleichgewichtet, Faktor- oder preisgewichtet (Dow).
Verwendung: Messlatte, Basis für ETFs, Zielmarkt-Definition.
Interpretation: Konstruktionsregeln erzeugen Eigenschaften; Kap-Gewichtung = Momentum-/Konzentrationsneigung.
Typischer Fehler: Benchmark wählen, deren Regeln man nicht kennt (Klumpen! Top-10-Anteil prüfen).
Siehe auch: 48 · ETFs (physisch/synthetisch) · 41 · Sektorlogik (GICS/BICS) · 141 · Strategische vs. taktische Asset A
138 · Fixings (WM/Refinitiv, BFIX, Bund-Auktionen)
Definition: Referenzpreise zu festen Zeitpunkten (FX-Fixings, Anleihe-Auktionsergebnisse, Schlussauktionen Aktien).
Verwendung: Bewertung (NAV), Benchmark-Replikation, Abrechnung.
Interpretation: Um Fixings konzentriert sich Volumen; gut für Ausführung nahe Referenz, anfällig für Verzerrung.
Typischer Fehler: Portfolio gegen ein Fixing bewerten, aber zu anderen Zeiten handeln; Abweichungen einpreisen.
139 · Best Execution
Definition: Pflicht (MiFID II), Kundenorders zum bestmöglichen Gesamtergebnis auszuführen (Preis, Kosten, Wahrscheinlichkeit).
Verwendung: Anspruchsgrundlage gegenüber Banken/Brokern; interner Nachweis bei eigener Ausführung.
Interpretation: "bestmöglich" ist ein Prozess-, kein Einzelfallversprechen; Policy und Kontrollen zählen.
Typischer Fehler: Best Execution nie stichprobenhaft nachprüfen.
Siehe auch: 133 · Geld-Brief-Spanne
140 · Primär- vs. Sekundärmarkt
Definition: Erstverkauf neuer Papiere (Emission) vs. laufender Handel bestehender.
Verwendung: Neuemissionen bieten teils Prämien (NIP bei Anleihen), Sekundärmarkt bestimmt die laufende Bewertung.
Interpretation: Zuteilungslogik im Primärmarkt bevorzugt große/ treue Orders; NIP schwankt mit Marktlage.
Typischer Fehler: Neuemissionsrendite mit Sekundärmarktkurve vergleichen, ohne die Prämie zu quantifizieren.