Block D · Fonds & Vehikel
‹ Finanzmarkt-Handbuch: Übersicht
Unabhängige Arbeitsunterlage. Genannte Produkt- und Funktionsnamen sind Marken ihrer jeweiligen Inhaber. Keine Anlageberatung.
Vehikel sind die Verpackung, nicht der Inhalt; dieselbe Anlageklasse kann je nach Hülle völlig andere Kosten-, Steuer- und Liquiditätseigenschaften haben.
47 · Aktive Publikumsfonds
Definition: Täglich handelbare Sondervermögen (UCITS) mit aktivem Management gegen eine Benchmark.
Verwendung: Delegierte Titelauswahl; Nischen, in denen aktives Management Mehrwert liefern kann.
Chancen: Outperformance-Möglichkeit; Sondervermögen = insolvenzfest.
Risiken: Mehrheit schlägt nach Kosten die Benchmark nicht; Gebühren 1-2 % p.a. Stilbrüche bei Managerwechsel.
Typischer Fehler: Fonds nach 3-Jahres-Performance kaufen; Rückkehr zum Mittelwert ist die Regel.
Siehe auch: 48 · ETFs (physisch/synthetisch) · 111 · Beta & Alpha · 114 · Information Ratio & Tracking Error
48 · ETFs (physisch/synthetisch)
Definition: Börsengehandelte Indexfonds; physisch (Titel im Bestand) oder synthetisch (Swap-basiert).
Verwendung: Kosteneffizienter Kern der Allokation; taktische Bausteine.
Chancen: Kosten ab ~0,05 % p.a. Transparenz; Liquidität.
Risiken: Tracking Difference; Spread in Stressphasen; bei Swap-ETFs Kontrahentenrisiko (besichert); Wertpapierleihe.
Typischer Fehler: Nur TER vergleichen; Tracking Difference und Handelskosten entscheiden real.
Siehe auch: 137 · Indizes & Benchmarks (Konstruktion · 133 · Geld-Brief-Spanne
49 · Indexfonds (nicht börsennotiert)
Definition: Passive Fonds ohne Börsenhandel; Kauf/Verkauf einmal täglich zum NAV.
Verwendung: Langfristige Sparpläne, institutionelle Mandate.
Chancen: Kein Spread; kein Intraday-Verhaltensrisiko.
Risiken: Keine Intraday-Reaktion möglich; Auswahl kleiner als bei ETFs.
Typischer Fehler: Fehlende Börsennotiz als Nachteil sehen, für Langfristanleger ist sie oft ein Verhaltensvorteil.
50 · Geldmarktfonds
Definition: Fonds in kurzlaufende, bonitätsstarke Geldmarkttitel; Rendite nahe Leitzins/ESTR.
Verwendung: Kassenmanagement über Einlagensicherungsgrenzen hinaus; Diversifikation des Bankenrisikos.
Chancen: Tägliche Liquidität; marktnahe Verzinsung.
Risiken: Keine Einlagensicherung; minimale Kursschwankung; in Extremkrisen Liquiditätsklauseln möglich.
Typischer Fehler: Mit Tagesgeld gleichsetzen; rechtlich Fondsanteil, nicht Einlage.
Siehe auch: 3 · Geldmarkt/Liquidität
51 · Mischfonds/Multi Asset
Definition: Fonds über mehrere Anlageklassen mit fester oder flexibler Quotensteuerung.
Verwendung: Ein-Produkt-Lösung; delegierte Asset Allocation.
Chancen: Eingebautes Rebalancing; Risikosteuerung.
Risiken: Kosten auf Allokation UND Auswahl; Vergleichbarkeit schwierig; flexible Fonds timen oft schlecht.
Typischer Fehler: Mischfonds ohne Blick auf die tatsächliche Quote vergleichen; "defensiv" ist nicht genormt.
52 · Dachfonds
Definition: Fonds, der in andere Fonds investiert.
Verwendung: Maximale Delegation; Zugang zu Managerauswahl.
Chancen: Breite Streuung über Manager.
Risiken: Doppelte Kostenebene; Transparenzverlust.
Typischer Fehler: Doppelkosten unterschätzen; 2 x 1,5 % frisst die Prämie fast jeder Strategie.
53 · Zielterminfonds/Laufzeitfonds
Definition: Fonds mit festem Enddatum; Allokation wird zum Ziel hin defensiver (Glidepath) bzw. Anleihen bis Fälligkeit gehalten.
Verwendung: Zielsparen (Datum bekannt); Laufzeitfonds als Bond-Ladder-Ersatz.
Chancen: Planbarkeit; Disziplin eingebaut.
Risiken: Glidepath passt nicht jedem; Kosten; bei Laufzeitfonds Wiederanlage am Ende.
Typischer Fehler: Zieldatum-Fonds verschiedener Anbieter für identisch halten; Glidepaths unterscheiden sich stark.
54 · ELTIF
Definition: EU-Vehikel für Privatanleger-Zugang zu illiquiden Anlagen (PE, Infrastruktur, Private Debt); seit ELTIF 2.0 (2024) deutlich geöffnet.
Verwendung: Beimischung Privatmärkte ohne institutionelle Mindestgrößen.
Chancen: Regulierter Zugang; niedrigere Eintrittshürden.
Risiken: Illiquidität trotz teils angebotener Rückgabefenster; Kosten; junger Markt.
Typischer Fehler: Rückgabefenster mit täglicher Liquidität verwechseln, im Stress schließen Fenster.
Siehe auch: 7 · Private Equity · 9 · Infrastruktur
55 · Spezialfonds (institutionell)
Definition: Deutsche AIF-Variante für (semi-)professionelle Anleger, maßgeschneiderte Anlagerichtlinien, ein oder wenige Anleger.
Verwendung: Standardvehikel für Versicherer, Versorgungswerke, große Family Offices; Bündelung + Reporting + Master-KVG.
Chancen: Individuelle Richtlinien; Steuer-/Bilanzvorteile möglich.
Risiken: Fixkosten lohnen erst ab zweistelligen Millionenbeträgen.
Typischer Fehler: Master-KVG-Reporting nicht mit eigener Analytik (PORT) gegenprüfen.
56 · ETCs/ETNs
Definition: Börsengehandelte Schuldverschreibungen auf Rohstoffe (ETC) oder Indizes (ETN); rechtlich KEIN Sondervermögen.
Verwendung: Zugang zu Einzelrohstoffen/Krypto, wo Fondsstruktur nicht möglich ist.
Chancen: Einfacher Börsenzugang; physisch besicherte Gold-ETCs etabliert.
Risiken: Emittenten-/Strukturrisiko; Rollkosten bei Futures-Basis.
Typischer Fehler: ETC mit ETF gleichsetzen; die Insolvenzfestigkeit hängt an der Besicherungskonstruktion.
57 · Zertifikate (Struktur, Emittentenrisiko)
Definition: Strukturierte Schuldverschreibungen einer Bank mit definiertem Auszahlungsprofil (Discount, Bonus, Express, Kapitalschutz).
Verwendung: Maßgeschneiderte Profile (Puffer, Renditeoptimierung, Teilschutz).
Chancen: Profile jenseits von "long only".
Risiken: Emittentenrisiko; Kostenintransparenz; Komplexität; Sekundärmarkt vom Emittenten gestellt.
Typischer Fehler: Renditechance sehen, eingebettete Optionsprämien und Emittentenmarge nicht.
Siehe auch: 155 · Kontrahentenrisiko (Counterparty,
58 · Vermögensverwaltende Mandate
Definition: Individuelle oder standardisierte Verwaltung des Depots durch einen Vermögensverwalter nach Anlagerichtlinien.
Verwendung: Delegation mit direkter Titelhaltung (statt Fondshülle); Reporting und Ansprechpartner inklusive.
Chancen: Transparenz auf Einzeltitel; individuelle Restriktionen (ESG, Ausschlüsse).
Risiken: Qualität streut; Kosten; Vergleichbarkeit geringer als bei Fonds.
Typischer Fehler: VV-Ergebnis ohne passende Benchmark und ohne Risikoadjustierung beurteilen.